Hallo Handy!

«Hallo Handy!» – eine gelungene Veranstaltung von Fair Trade Town Bülach

«Es lebe das Handy! – Und zwar so lang wie möglich!» Das war eine der Hauptbotschaften dieser Veranstaltung. Denn anstatt sich immer wieder eine neue Version zu kaufen, sollte das Mobiltelefon so lange wie möglich behalten bzw. genutzt werden. Erst wenn es nicht mehr reparierbar ist, wird es an vertrauenswürdige Verkaufsstellen fürs Recycling zurückgegeben. Nur so wird eine nachhaltige Nutzung sichergestellt.

Als ausgezeichnete «Fair Trade Town», organisiert die Stadt Bülach zusammen mit einer Arbeitsgruppe regelmässig Veranstaltungen zu nachhaltigen Themen . Etwa 30 Personen nahmen am 29. September 2022 an der Veranstaltung zu den sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Smartphones teil. – Die Stadt Bülach wurde von Stadtpräsident Mark Eberli, Stadträtin Rosa Pfister und Leiter Stadtentwicklung Martin Glaus vertreten.

Die Umweltnaturwissenschafterin Tania Schellenberg erklärte anhand verschiedener Handys welche Rohstoffe, z. B. Gold, Tantal, Wolfram und Zinn, in verschiedenen Einzelteilen verarbeitet worden sind. Im Goldabbau kommt giftiges Quecksilber zum Einsatz, das Luft, Wasser und Böden verschmutzt und massive gesundheitliche Schäden verursacht. Zinn, Wolfram, Tantal und Gold sind Konfliktmineralien, deren Gewinnung oft der Finanzierung von Waffen in Konflikt- oder Hochrisikogebieten dient. Die EU hat deshalb 2021 eine entsprechende Verordnung zur Prüfpflichten entlang der Lieferkette verfasst. Viele förderbare Vorkommen dieser Rohstoffe werden in naher Zukunft knapp.

Zudem zeigte Tania Schellenberg unter dem Visualizer, wie das «Fairphone» im Unterschied zu den meisten anderen Handys einfach zerlegt und Einzelteile ersetzt werden können. Ja sogar Upgrades sind möglich!

Karin Mader vom Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (HEKS) beleuchtete die Produktion von Smartphones. Die Rohstoffe stammen grösstenteils aus Afrika, wo ihre Gewinnung meist Menschenrechte verletzt, landwirtschaftliche Böden zerstört sowie Gewässer und Böden verschmutzt. Die Verarbeitung der Mobiltelefone erfolgt danach fast ausschliesslich in Asien – weshalb Afrika von der späteren Wertschöpfungskette nicht profitieren kann. Eindrücklich berichtete Karin Mader von ihren eigenen Erfahrungen und Gesprächen mit Arbeiter:innen in Asien über deren prekären Arbeitsbedingungen, Ausbeutung am Fliessband bis hin zu sexuellem Missbrauch. Wanderarbeiterinnen in China z.B. erhalten nicht dieselben Rechte wie die ansässige Bevölkerung und haben dadurch keinen Zugang zum Gesundheitswesen oder zu Schulen.
Als Lösungsansatz sollen Internationale Markenfirmen zu einer Nachhaltigkeitsstrategie verpflichtet werden mit transparenter Berichterstattung, externem Audit und Multistakeholder-Dialog. Für Konsument:innen stellte Karin Mader Alternativen wie z. B. das Fairphone vor. Dieses wird so weit wie möglich unter fairen Bedingungen produziert. Für die öffentliche Verwaltung wies sie auf die Organisation «electronicswatch.org» hin, ein Unternehmen, das bei der fairen Beschaffung unterstützt.

Das Lied von Barbara Gugerli «Verbundenheit, Erreichbarkeit» leitete zu den gesellschaftlichen Auswirkungen unserer Smartphones über. «88 Mal schauen wir durchschnittlich pro Tag auf unser Handy» führte Dr. Peter Holzwarth, Medienpädagoge an der PH Zürich, aus. Neben verstörenden Inhalten wie Gewalt oder Cybermobbing kann das Handy auch Stress erzeugen und das Gefühl auslösen, immer sofort antworten zu müssen, etwas zu verpassen und alles im Blick haben zu müssen. Das kann Abhängigkeit, ja sogar Sucht verursachen und die psychische Gesundheit gefährden. Soziale Vergleiche spielen dabei eine grosse Rolle. Peter Holzwarth zeigte demgegenüber auch eine «smarte» Nutzung der Handys auf: z.B. Apps, die zum Entspannen oder Meditieren einladen, die Notizfunktion als Dankbarkeitstagebuch nutzen oder die Kamera für achtsames Fotografieren. In seinem Buch «Life Skills mit Medien» hat Peter Holzwart eine Checkliste zum smarten Gebrauch von Handys verfasst.

Das anschliessende Podiumsgespräch mit den drei Expert:innen und zwei Schülern der Berufswahlschule Bülach thematisierte die nachhaltige Nutzung der Handys und wurde von Anna Vokinger von der Organisation Swiss Fair Trade moderiert. Die Schüler wünschten sich ein Tool, das ermöglicht Inhalte zu filtern, damit sie nur noch Informationen erhalten würden, die ihnen guttun.

Anschliessend genossen die Besucher:innen einen reichhaltigen, fairen Apéro, zubereitet von der Gastro-Klasse der Berufswahlschule Bülach.

Tipps zum cleveren Kauf und smarten, energiesparenden Gebrauch unserer Handys und allgemeine Informationen finden Sie im folgenden Dokument > Tipps für Konsument-innenDEF.

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